Mineralogie
und Geologie des Neuenbürger Bergbaureviers
Geologische
Situation
Der Buntsandstein bildet im Neuenbürger Revier eine recht
einheitliche Folge von roten Sandsteinen. Der ursprünglich
über dem Buntsandstein liegende Muschelkalk ist im gesamten
Neuenbürger Revier bis auf wenige Inseln im Südosten abgetragen.
Unter dem Buntsandstein folgen geringer mächtige Schichten
permischer Gesteine (Rotliegendes) und noch tiefer Granite und Gneise
des Grundgebirges. Die nordöstlichen, über Tage aufgeschlossenen
Grundgebirgsvorkommen finden sich im Eyachtal und bei Wildbad.
Geländeformen im Bereich des Buntsandsteins werden fast ausschließlich
durch die unterschiedliche Verwitterungs-Beständigkeit der
einzelnen Schichtglieder des Buntsandsteins hervorgerufen. So sind
die flachen Plateaus der Berge zwischen den großen Tälern
durch die leichte Verwitterungsbeständigkeit der obersten Buntsandsteinschichten.
der Röttone bedingt. Dagegen lassen die tieferliegenden, harten
Sandsteinschichten nur ein langsames Fortschreiten der Abtragung
zu, wodurch steile Bergflanken im unmittelbaren Bereich der Täler
erzeugt werden. Bergbau ging nur in einem sehr begrenzten Abschnitt
des Buntsandsteins um. Er reichte von den Röttonen (bei Langenbrand)
bis ins obere Drittel des Mittleren Buntsandsteins (Schnaizteich
bei Neuenbürg) hinab. Aufällig ist, daß die meisten
Gänge des Neuenbürger Reviers in Oberflächennähe
abbauwürdig waren, ihr Erzreichtum jedoch oft bereits in geringer
Tiefe rasch nachließ. Da der Bergbau noch tiefer vorgedrungen
ist, lassen sich auch keine Aussagen über die Ausbildung und
Erzführung der Gänge in tieferen Schichten machen. Doch
ist nach Vergleichen mit ähnlichen Gängen im Schwarzwald
zu vermuten, daß dort Baryt, insbesondere aber Fluorit und
Quarz, auf Kosten des Siderits zunehmen. Es ist aber auch möglich,
daß viele Gänge unterhalb der abgebauten Eisenerzmittel
gänzlich vertauben. Nur die Gänge Heiligenwald, Reutbach,
Rittberg und Käfersteige führen in oberflächennahen
Bereichen Flußspat. Die Mächtigkeiten der Gänge
sind recht verschieden. Sie betragen zwischen 0 und maximal 4 Meter,
wobei auch innerhalb eines Ganges große Mächtigkeitsschwankungen
beobachtet werden. Ausnahme sind die Gänge Rittberg und Käfersteige
mit 4 bis 20 m Gangmächtigkeit, die auch in anderen Punkten
stark von den übrigen Neuenbürger Gängen abweichen,
weshalb sie hier nicht näher behandelt werden. Die meisten
Gänge stehen seiger (senkrecht) im Berg und streichen (verlaufen)
in Nordwest-Südost- Richtung.
Tektonik
und Entstehung der Neuenbürger Ganglagerstätten
KIuftbildung
und erste Mineralabscheidung
Zu welcher Zeit die Kluftbildung tatsächlich begann, läßt
sich nicht sicher rekonstruieren. Doch scheinen wesentliche Aktivitäten
erst in der Folge tektonischer Großbewegungen, wie der Oberrheingraben-Einsenkung
im Tertiär (vor etwa 15 Mio. Jahren), eingesetzt zu haben.
Durch die nun ablaufenden gigantischen Scherbewegungen der Gebirgsteile
wurden die Kluftwände oft völlig glattgeschliffen. Solche
,,Harnische'' lassen sich manchmal über weite Strecken verfolgen.
Nachdem sich die Klüfte in der Folge schneller öffneten,
stürzten Gesteinsbrocken hinein und verkeilten sich an Engstellen.
Außerdem war nun genügend Raum geschaffen, damit heiße,
wässrige (hydrothermale) Lösungen unterschiedlicher Zusammensetzung
aufsteigen und in der Tiefe gelöste Mineralsubstanzen im oberen
Kluftbereich abscheiden konnten. In oberflächennäheren
Schichten kühlen die mineralhaltigen Wässer
ab und können somit weniger Mineralsubstanz in Lösung
halten. Die Folge ist, daß sich Minerale in Form von Kristallen
aus der übersättigten Lösung ausscheiden. Zu diesen
,,primären'' Gangmineralen gehören Baryt, Siderit, Rhodochrosit,
Fluorit, Quarz, Kupferkies und Hämatit (als Eisenglanz). Siderit
und Baryt lagerten sich bevorzugt um in den Gängen steckende
Sandsteinbrocken ab, wobei sie diese lagig umkrusteten. So entstanden
,,Kokardenerze''. Auch nach der primären Mineralabscheidung
wurden einige Gänge nochmals von Gebirgsverschiebungen betroffen,
jetzt aber etwa rechtwinklig zur Richtung der vorhandenen Klüfte.
Dadurch sind diese Gänge an den Kreuzungen der älteren
und jüngeren Kluftsysteme abrupt abgeschert und manchmal um
mehrere Meter linksseitig verschoben. Die beschriebenen tektonischen
Erscheinungen können allesamt sehr augenfällig in der
Frischglückgrube studiert werden.
Entstehung
der heutigen Gangfüllung
Bedingt
durch die Hebungsvorgänge und damit verbundener, stärkerer
Abtragung wurden die mineralisierten Spalten für sauerstoffhaltige
und deshalb oxidierende Oberflächenlösungen (Tagwässer,
Grundwässer) zugänglich. Einige der gegen diese Einflüsse
nicht mehr stabilen Minerale wandelten sich in andere um, die den
neuen Bedingungen standhalten. Die heute in den Neuenbürger
Brauneisen-Barytgängen vorliegenden Mineralvergesellschaftungen
entsprechen demnach nur noch zu einem Teil dem ursprünglichen
Bestand. So entstanden bei der ,,Unterwasser-Verwitterung'' von
Siderit die unterschiedlichsten Goethit-Varietäten, in der
Hauptsache derbes Brauneisen und Brauner Glaskopf. Außerdem
ging aus dem Siderit der Psilomelan hervor, dessen prozentualer
Anteil in den Gängen etwa dem Mangangehalt des ehemaligen Siderits
entspricht. Eingelagert in die Hohlräume der Gänge findet
sich ein feinstkörniges Gemenge von Glimmer, Quarz, Hämatit,
Kalifeldspat und etwas Kaolinit, das einen zähen, rotbraunen
,,Letten'' (Ton) bildet. Der Ton führt häufig zerriebenen
Baryt und Sandsteinbruchstücke. Dieser "mineralische Schmirgel''
ist in Verbindung mit tektonischen Scherbewegungen für die
glattgeschliffenen Harnischflächen der Gänge verantwortlich.
Minerale
der Neuenbürger Gänge (ausgenommen Käfersteige)
Die Mengenanteile der auftretenden Minerale variieren sowohl von
Gang zu Gang als auch innerhalb der Gänge beträchtlich
Hauptminerale sind:
Baryt, BaSO4
Goethit Alpha-FeOOH
Psilomelan (H2O, Ba > K > Na > Ca) <2Mn8O16
Quarz SiO2
Als Nebenbestandteile vieler Gänge oder konzentriert in bestimmten
Bereichen einiger Gänge finden sich:
Hämatit, Alpha-Fe2O3
Lepidokrokit, Gamma-FeOOH
Pyrolusit, ß-MnO2
Siderit, FeCO3
Fluorit, CaF2
Spurenweise
sind von wenigen Gängen bekannt geworden:
Hollandit, Ba(Mn4+, Mn2+)8O16
Kupferkies, CuFeS2
Rhodochrosit, MnCO3
Gorceixit, BaAl3H(OH)6(PO4)2
Malachit, Cu3(OH)2Co3
Azurit, Cu3(OH/CO3)2
Covellin, CuS
Nur die für das Neuenbürger Revier wesentlichen Minerale
werden nachfolgend ausführlicher beschrieben.
Baryt
oder Schwerspat
Weißer, dicktafeliger Baryt ist auf nahezu allen Neuenbürger
Gängen die Hauptgangart mit einem Anteil von manchmal über
90 %. Er bildet selten freistehende Kristalle bis 15 mm.
| Chem. Formel
|
BaSO4
|
| Farbe
|
Im Revier von Neuenbürg
weiß oder farblos, in anderen Gegenden auch grau, gelb,
blau, rot oder braun |
| Transparenz
|
leicht durchscheinend
in Neuenbürg bis durchsichtig in anderen Gegenden |
| Ausbildung
|
Kristalle, körnige,
dichte, erdige Aggregate, auch Tropfstein, Überkrustungen,
Pseudomorphosen, strahlinge Aggregate, Knollen, Konkretionen
|
| Bruch
|
muschelig |
| Dichte
|
4,48 |
| Spaltbarkeit
|
vollkommen nach
/001/, gut nach /210/ |
| Kristallsystem
|
rhombisch |
| Kristallformen
|
Tafeln, selten
prismatisch |
| Lumineszenz
|
weiß, grünweiß,
gelbgrün, auch blaugrün |
| Zusammensetzung
|
BaO zu 65,7%, SO3
zu 34,3% |
| Chem. Eigenschaften
|
schwach löslich
in H2SO4 (Schwefelsäuere), platzt
vor dem Lötrohr, färbt die Flamme gelbgrün |
| Behandlung
|
Reinigung mit Wasser
|
| Entstehung
|
hydrothermal, sedimentär
oder sekundär |
| Vorkommen
|
Deutschland, Tschechien,
Slowenien, GUS, Rumänien, Frankreich, USA, Kanada, Mexiko,
Algerien, Tunis |
| Verwendung
|
Ba-Erz, Bohrtechnik,
Chemieindustrie, Gummiindustrie. Wird selten auch als Edelstein
benutzt |
Fluorit oder Flußspat
Der im Neuenbürger Revier nur auf wenigen Gängen gefundene
und in weiteren Gängen in größere Tiefen vermutete
Fluorit zeigt bei Kristallgrößen bis 10 cm blaue, grüne
und violette Farben.
Siderit und Eisenspat
Frischer Siderit wurde nur auf den Gängen Frischglück
und Reutbach gefunden, und zwar in Form rissiger, gelber Rhomboeder.
In den meisten Gängen sind häufig Pseudomorphosen (Verdrängungen)
von Brauneisen nach Siderit zu beobachten. Der Mangan-Gehalt des
Siderits beträgt etwa 10 %.
Goethit und Limonit
Der überall auf den Neuenbürger Gängen in Form des
Braunen Glaskopfs vorkommende Goethit zeigt alle Farbtöne von
Hellbraun bis Tiefschwarz. Pulverige Beläge und Hohlraumfüllungen
sind häufig hellgelb bis hellbraun gefärbt und werden
als Eisenocker bezeichnet. Die Stücke mit nierig-traubiger
Oberfläche bauen sich aus feinen Kristallfasern auf, welche
sich radialfaserig senkrecht zur Oberfläche anordnen. Auf vielen
Gängen kommen auch tropfsteinartige Goethit-Glasköpfe
vor.
| Strich
|
Goethit gelb; Limonit
braun oder sogar gelbbraun |
| Farbe
|
Goethit braun bis
schwarz; Limonit auch braun bis schwarz mit irisierenden Anlauffarben
|
| Glanz
|
halbmetallisch,
seidig, halbglasig, matt, diamantartig, erdig |
| Transparenz
|
Goethit durchscheinend,
opak; Limonit opak |
| Ausbildung
|
Goethit: Kristalle,
stalaktitische, derbe, erdige Aggregate mit radialstrahligem
Bau, Oolite, Pseudomorphosen, Konkretionen; Limonit: kryptokristalline,
faserige, erdige, überzugartige, stalaktitische, oolitische
und derbe Aggregate, häufig Pseudomorphosen |
| Bruch
|
Goethit uneben
bis hakig; Limonit muschelig, faserig |
| Dichte
|
Goethit 4,3; Limonit
3,6-3,7 |
| Magnetismus
|
paramagnetisch
|
| Kristallsystem
|
rhombisch |
| Kristallformen
|
Goethit prismatisch
und fasrig; Limonit kryptokristallin |
| Zusammensetzung
|
Fe2O3
zu 89,86%; H2O zu 10,14% |
| Chem. Eigenschaften
|
Goethit langsam
löslich in HCl, schmilzt in der Flamme nicht; Limonit langsam
löslich in HCl (Salzsäuere) |
| Behandlung
|
Reinigung mit Wasser,
Limonit auch mit HCl |
| Entstehung
|
sekundär |
| Vorkommen
|
Deutschland (Schwarzwald,
Siegerland, Harz, Erzgebierge), Tschechien, Slowenien, Großbritannien,
GUS, USA, Mexiko, Australien |
| Verwendung
|
Fe-Erz, wird selten
auch als Edelstein benutzt |
| Sonstiges
|
Limonit begleitet
die Oxidationszonen der Erzlagerstätten als Goethit |
Psilomelan
Der Psilomelan gehört im Neuenbürger Revier zu den häufigsten
Mineralien. Er bildet meist fladenartige bis kugelige Massen sowie
dünne Überzüge und Wechsellagerungen mit Braunem
Glaskopf. Nach äußeren Merkmalen lassen sich zwei Varietäten
unterscheiden: lockere, poröse, strukturlose Massen und Grau-
oder Hartmanganerze. Typisch für die Schwarzen Glasköpfe
sind Lagentexturen ohne radiale Faserung.
Weitere
Informationsmöglichkeiten
Eine umfangreiche Sammlung von Mineralien und historischen Bergbauwerkzeugen
des Schwarzwaldes, insbesondere des Neuenbürger Eisenerzreviers,
befindet sich in der Ausstellung
Schmuckwelten "Mineralienwelt"
Westliche Karl-Friedrich-Str. 56/68 75172 Pforzheim Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-19 Uhr, So und Feiertag 11-18 Uhr
Die Mineralienwelt ist eine imposante Ausstellung kostbarer Mineralien aus aller Welt. Die über 5.000 Exponate präsentieren dem Besucher in wechselnden Ausstellungen die ganze Pracht der Mineralien, Edelsteine und Halbedelsteine. Einer der Schwerpunkte der Ausstellung sind die zahlreichen Bodenschätze aus der Region.
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