Frischglück Besucherbergwerk
Eisenverhüttung zur Zeit der Kelten
Keltische Verhüttungsanlagen in Neuenbürg-Waldrennach "Schnaizteich"
Im Sonderforschungsbereich Eisen, der vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg bereits seit 1989 mit großen Erfolg betrieben wurde, war seit Frühjahr 1995 die dritte Projektstufe angelaufen, die sich mit der Suche nach latènezeitlichen Abbauspuren und Verhütungsplätzen beschäftigte. Im Rahmen dieses Projektes wurden systematische Begehungen im weiteren Umfeld des Neuenbürger Schloßbergs vorgenommen, auf dem und an dessen Hängen eine frühlatènezeitliche Siedlung zu lokalisieren ist.

Bei Waldrennach und Engelsbrand konnten bis jetzt fünf alte Verhüttungsplätze gefunden werden, an denen Schlacken vorkommen, die älter sind als der neuzeitliche Bergbau und somit einen Einblick in die ältere Bergbaugeschichte ermöglichen. Bei den Schlacken handelt es sich jeweils um sehr zäh geflossene oder locker zusammenhängende Brocken und Klötze bis 20 kg.

Stellvertretend für die übrigen Plätze wurde eine Fundstelle in Neuenbürg Schnaizteich archäologisch untersucht.

In einer künstlichen Terrasse, jedoch in einiger Tiefe, wurden Rennöfen mit zugehörigen, hangabwärts vorgelagerten Arbeitsgruben von ca. 1 m Durchmesser aufgedeckt. Ein weiterer Rennofen fand sich weiter südlich, deutlich oberhalb der Terrasse, im Hang eingetieft. Hier war die zugehörige Arbeitsgrube nur noch rudimentär erhalten, umso besser hingegen der Ofen. Es handelt sich um einen Kuppelofen mit Schlackenabstichsloch und aufgesetztem Schacht. Für Süddeutschland ist der Fund bisher als einmalig zu bezeichnen. Der Ofen war noch ca. 0,50 m hoch erhalten. Die Außenmaße der Kuppelstandsfläche betragen 1,20 m x 0,80 m, darüber wölbt sich die 0,40 m hohe Kuppel, auf der der noch 0,10 m hoch erhaltene Schacht aufsitzt. Der Schacht weist einen Außendurchmesser von 0,40 m auf. Die ursprüngliche Schachthöhe wird auf 0,50 - 1 m geschätzt. Die Dicke der Ofenwandung beträgt im Bereich der Kuppel 0,10 m, am Ofenschacht etwas mehr. Die gute Erhaltung erklärt sich daraus, daß der Ofen in den Hang eingetieft war. Während des Betriebes war er nur von vorne, von der ebenfalls eingetieften Arbeitsgrube aus und von oben, über die Gichtöffnung, zugänglich. Dies hatte den Vorteil, daß weniger Wärme verloren ging als bei freistehenden Öfen. Die Bedienung des Ofens war allerdings erheblich schwieriger, da alle Bedienungselemente an der Stirnseite untergebracht werden mußten. Vermutlich konnten die Öfen mehrmals verwendet werden.

Holzkohleproben aus den Brennkammern der Öfen wurden am Max-Planck-lnstitut in Heidelberg bearbeitet. Die Messungen ergaben eine Datierung der Öfen in die Zeit um ca. 500 bis 400 v. Chr. Im Anschluß an die Grabungen konnte der Ofen komplett geborgen werden.

Der Archäologe Dr. Guntram Gassmann konnte 1996 noch weitere Öfen freilegen; damit ist der Beweis erbracht, daß Neuenbürg zu den ältesten Eisenerzbergbaugebieten in Nordeuropa gehört.



Ansichten eines in den Hang eingebauten Kuppelrennofens
Die Reduktion des Eisens beginnt bei einer Temperatur von 1150°.
Die Eisenluppe fließt nicht wie bei späteren, neuzeitlichen Gebläseöfen aus dem Ofen heraus, sondern muß nach Aufbrechen der Ofenbrust herausgezogen werden. Durch Verschlacken manganhaltiger Erze wurde der Eisengehalt der Schlacke herabgedrückt; wird glieichzeitig die Temperatur gesteigert, so verbleibt eine dem Stahl entsprechende Menge Kohlenstoff im Eisen.

Home - Ihr Besuch bei uns - Bilder - Geschichte - Mineralogie
Der Verein - Aktuelles - Umfrage - Links - Suche - Impressum