|
|
Geschichte
Aufmerksame Wanderer stoßen bei ihren Ausflügen in die Wälder
um Neuenbürg gelegentlich auf tiefe Mulden, Gräben oder Gesteinshalden
mit Schwerspat und Eisenerzstücken. Diese Veränderungen im Gelände
und Flurnamen wie "Eisenwald", "Eisenertann" oder "Erzwasch" lassen erkennen,
daß es sich hier um ein ehemaliges Bergbaugebiet handelt.
Die Geschichte des Eisenerzabbaues im Neuenbürger Revier reicht bis
in die Zeit der Kelten zurück. Auf dem Schloßberg in Neuenbürg
wurden Eisengeräte und Schlacken gefunden, die von einer spät
La-Thène-zeitlichen Keltensiedlung stammen. Danach waren die Eisenerzvorkommen
schon im 5. Jhdt. v. Chr. bekannt. Die Vermutung, daß im damals noch
weitgehend unbesiedelten Waldgebiet weitere kleinere Eisenschmelzen zu finden
sind, wurde 1995 durch Funde keltischer Rennfeueröfen und Eisenerzschlacken
unweit des Frischglück-Bergwerkes bestätigt. Mehr
Infos...
Demnach wurde schon vor 2600 Jahren in der Umgebung Neuenbürgs Eisen
gewonnen.
Der Fund einer römischen Eisenhütte bei Pforzheim zeigt, daß
die Römer, die von ca. 70 bis 250 n. Chr. ist in diesem Siedlungsraum
lebten, Eisenerz abgebaut und verhüttet haben.
Auch im Mittelalter wurde Bergbau betrieben. Vor allem aus der Zeit, in
der die "Edlen" von Straubenhardt ansässig waren (1100-1442), finden
sich Hinweise. 1527 wurden in einem württembergischen Lagerbuch fünf
"Yisengruben" in der Umgebung von Neuenbürg erwähnt.
Durch sächsische "Entwicklungshilfe" wurde der Neuenbürger
Bergbau zu neuer Blüte gebracht: 1720 kamen, dem sogenannten
Berggeschrei folgend, die Gebrüder Viehweg, um ihr Bergmannsglück
zu suchen. Sie legten im Schnaizteich den Christians- und den Jakobstollen
an. Das gewonnene Eisenerz lieferten sie an das Hüttenwerk Benckiser
in Pforzheim.
1758 mußten Christian und Jakob Viehweg dann aus wirtschaftlichen
und altersbedingten Gründen ihre Schürfrechte an diese Firma verkaufen.
In dieser Zeit entstanden z.B. die Hummelrainer Gruben und später auch
die Frischglück Grube.
1790 entzog die württembergische Herrschaft dem badischen
Hochofenwerk in Pforzheim die Gruben und übernahm sie nach zwischenzeitlicher
Verpachtung an eine Calmbacher Betreiberfirma schließlich in eigene
Regie.
Die Bergwerke waren jetzt zwar württembergisch, das Eisenerz mußte
nun jedoch in das 60 km entfernte Friedrichstal transportiert werden, um
es zu verhütten.
1804 wurde auf Veranlassung des Kurfürsten Friedrich der Versuch zur
Stahlerzeugung unternommen. Das Neuenbürger Erz war durch seinen hohen
Mangangehalt und geringen Gehalt an Schwefel sehr geeignet. Der "Neuenbürger
Stahl" kam in seiner Qualität dem englischen gleich - damals dem besten
der Welt.
Es kam zu einer neuen Blüte des Eisenerzbergbaues, in deren Verlauf
der spätere württembergische König Friedrich "...seine
Churfürstliche Durchlaucht sich dazu bequemte in der Oberramtei
Neuenbürg abzusteigen um am 6. Juni 1805 schon in der Frühe
sich in die Bergwerke daselbst zu verfügen und höchstselbst
den Stollen im sogenannten Schnaizteiche 80 und etliche Lachter weit
zu befahren."
Ein Gedenkstein dieses Großereignisses ist noch heute beim Frischglück-Bergwerk
zu sehen.
Der aus heimischem Erz gewonnene Stahl wurde später auch in der inzwischen
gegründeten Neuenbürger Sensenfabrik "Haueisen & Sohn" zu
Sicheln und Sensen verarbeitet. Die Firma war Marktführer in Deutschland.
Eine andere Firma produzierte aus dem Neuenbürger Stahl Ofenplatten
und Bügeleisen.
In den Jahren 1868 bis 1869 kam der Bergbaubetrieb in seiner Gesamtheit
aufgrund der geringerwerdenden Vorkommen zum Erliegen. Die Hochofenwerke
in Pforzheim und Friedrichstal waren schon 1859 bzw. 1868 geschlossen
worden. Die technische Entwicklung Mitte des 19. Jahrhunderts machte
den Eisenerzbergbau im Schwarzwald unwirtschaftlich, zumal zu den
Hochöfen billiger hereingewonnene Erze aus Schweden herangebracht
wurden.
Zwischen 1720 und 1868 wurden in den ungefähr 60 größeren
und kleineren Bergwerken im Neuenbürger Revier ca. 100.000 Tonnen reines
Eisenerz abgebaut. In der Hochblüte des Neuenbürger Eisenerzbergbaues
verdienten bis zu 38 Bergmänner in den Gruben (auch in der Frischglück
Grube) ihr täglich Brot.
Neues Leben im alten Grubenrevier:
Die Aufwältigung
Mitte der 70er Jahre fand sich am Neuenbürger Gymnasium eine
Gruppe von Lehrern, Schülern und Angestellten zusammen, die sich,
zunächst als Mineralienfreunde, für die Besonderheiten der
näheren Heimat interessierten und daher mehr über den alten
Bergbau zu erfahren suchten. Ihnen schlossen sich bald Gleichgesinnte
aus Stadt und Umgebung an, und im ehemaligen Grubenrevier regte sich
allmählich neues Leben.
Bald zeigte sich auch, daß der eine oder andere Schulmann oder
heimatgeschichtlich Interessierte einiges aus der Vergangenheit aufgeschrieben
hatte oder zu erzählen wußte. Wertvolle Informationen fanden
sich außerdem in Fachbüchern und Archiven.
Von 1976 an wurde das Grubengebiet nach bergbaulichen Gesichtspunkten abgesucht,
wobei man alsbald fündig wurde.
Die Neuenbürger Arbeitsgemeinschaft hatte inzwischen weitere historische
Quellen entdeckt und erste Bilderserien erstellt, sodaß am 2. März
1978 mit einem Diavortrag die erste öffentliche Veranstaltung abgehalten
werden konnte.
Schon 1977 war nach alten Plänen bei der "Barbara-Kapelle"
nach dem legendären "Friedrichstollen" gegraben worden, den
1804 der spätere König Friedrich von Württemberg "achzig
und etliche Lachter höchstpersönlich befahren" hatte.
Das Ziel wurde nicht erreicht, der Stollen bis heute nicht gefunden.
Daraufhin grub man nach den Eingängen der Grube Christian im
Schnaizteich und diesmal mit mehr Erfolg: am 5. April 1978 war am
unteren Stollenmund C der Durchbruch geschafft. In der Folge konzentrierte
sich die Arbeit auf die Erforschung und den weiteren Ausbau des Christianstollens.
Ein 20m hoher Schacht, der zur Verbindungsstrecke des Friedrichstollens
führte, war mit Versatz gefüllt und mußte ausgeräumt
werden. Tatsächlich stieß man nach einiger Zeit auf die
Verbindungsstrecke, aber die Freude wich bald herber Enttäuschung:
Auch diese Strecke war verfüllt und stand sogar teilweise unter
Wasser.
In einer Sitzung am 24. März 1979 beschlossen die Aktiven der
ARGE Bergbau, von den Schnaizteichgruben zur Grube Frischglück
überzuwechseln, weil man sich dort günstigere Bedingungen
für den Ausbau eines Besucherstollens erhoffte. Am 4. April 1979
begannen die Aufwältigungsarbeiten an der Frischglückgrube.
Am 12. Mai 1979 wurde das Mundloch der unteren Sohle geöffnet.
Was nun zum Vorschein kam, übertraf die Erwartungen aller Beteiligten:
Die Frischglückgrube war auf drei Sohlen begehbar, mitsamt den
verbindenden Schächten und einer enormen Weitung zwischen der
unteren und der mittleren Sohle. An vielen Orten standen und stehen
heute noch herrliche Erze an, welche bei den Führungen bewundert
werden können.
Die Frischglückgrube wurde am 30. März 1985 als Besucherbergwerk
für den öffentlichen Publikumsverkehr zugelassen und eröffnet.
|
|
|